Süddeutsche Zeitung
 
Lufthansa und Pressefreiheit
 
Warum Fluggäste auf die Süddeutsche Zeitung verzichten müssen

 
 
   
   
Die Deutsche Lufthansa AG bietet ihren Fluggästen täglich auf nationalen wie internationalen Strecken Zeitungen zur Lektüre an. Zu den Blättern, die an Bord oder am Gate verteilt werden, gehört seit den siebziger Jahren auch die Süddeutsche Zeitung. Seit Wochen melden sich bei der SZ-Redaktion Flugreisende und Leser, die sich beschweren, weil die Süddeutsche Zeitung nicht mehr angeboten wird. Nur wer in München abfliegt, kann sicher sein, eine Zeitung zu erhalten; auf anderen Flughäfen suchen die LH-Kunden meist vergebens nach der SZ.

Die Lufthansa hat circa 10000 Exemplare der Süddeutschen Zeitung aus dem Angebot genommen. Damit wurden bestehende Lieferverträge mit dem Süddeutschen Verlag von der Lufthansa einseitig gekündigt. Begründet wurde die Maßnahme mit „Medienvielfalt“; auch andere Blätter müssten am Gate verstärkt angeboten werden.

Die Redaktion der Süddeutsche Zeitung besitzt die Kopie einer internen Lufthansa-Anweisung, in der „die deutschen Stationen und Lounges“ davon in Kenntnis gesetzt werden, dass „in den LH-Gates der deutschen Flughäfen auf allen LH-Abflügen keine Süddeutsche Zeitung mehr angeboten und in den Senator- und Frequent-Traveller-Lounges die Menge der Süddeutschen Zeitung gekürzt wird“. Der SZ-Vertrieb bemüht sich seit Wochen vergebens um eine Rücknahme der Maßnahme. LH- Mitarbeiter vom Bordservice erklären gegenüber der SZ, sie hätten ihre Anweisungen „von oben“. Ausschlaggebend für die Kürzung der Kontingente seien „atmosphärische Störungen“.

Die Herausnahme der SZ aus dem täglichen Zeitungsangebot fällt zusammen mit dem bislang härtesten Tarifkonflikt, den die Lufthansa mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit austrägt. Lufthansa- Vorstandsmitglieder beanstanden die Berichterstattung der Süddeutschen Zeitung über den Pilotenstreik. Sie zeige zu wenig Verständnis für die Haltung der Unternehmensleitung. Ein kausaler Zusammenhang zwischen der SZ- Berichterstattung und der Kürzung der SZ-Bordexemplare wird von der Lufthansa bestritten.

Die Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung hält die Berichterstattung der Wirtschaftsredaktion über den Tarifstreit für ausgewogen. Die Standpunkte aller Beteiligten wurden in zahlreichen Artikeln und Kommentaren dargelegt und bewertet. Eine einseitige Parteinahme zu Gunsten der Pilotenvereinigung oder der Unternehmensleitung der Lufthansa widerspräche den journalistischen Prinzipien und der liberalen Grundhaltung der Süddeutschen Zeitung.

Die Chefredaktion